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Warum die INCI-Liste erst der Anfang bewusster Hautpflege ist

Barbara BaarsVon Barbara Baars 6 Min. Lesezeit
Warum die INCI-Liste erst der Anfang bewusster Hautpflege ist
In diesem Artikel
  1. 1. Was ist eine INCI-Liste?
  2. 2. Wie funktioniert die Reihenfolge auf der INCI-Liste?
  3. 3. Warum 0,001% schon für eine große Geschichte reicht
  4. 4. Inhaltsstoffe, denen du oft begegnest (und was du darüber wissen solltest)
  5. 5. Parfum auf der INCI-Liste: ein Grund zur Sorge?
  6. 6. Alkohol in der Hautpflege: Feind oder Helfer?
  7. 7. Clean Beauty ≠ Bio
  8. 8. INCI-Liste von KI analysieren lassen? Denk zweimal nach
  9. 9. Inhaltsstoffe selbst prüfen? Diese Tools helfen
  10. 10. Top 5 der hormonell wirksamen Stoffe
  11. 11. Fazit: Die INCI-Liste ist der Anfang, nicht das Ende
  12. Zusammenfassung

Schälchen mit getrockneten Blüten und Kräutern neben einer Kerze und einem Jaderoller

1. Was ist eine INCI-Liste?

Clean Beauty wird immer beliebter. Und das zu Recht: Wir wollen immer bewusster entscheiden, was wir auf unsere Haut auftragen. Viele beginnen ihre Suche mit der INCI-Liste, der offiziellen Inhaltsstoffliste auf einem Kosmetikprodukt. Ein guter Ausgangspunkt, aber sicher nicht der Endpunkt. Denn was du auf dieser Liste siehst, und vor allem was du nicht siehst, sagt oft mehr, als du denkst.

INCI steht für International Nomenclature of Cosmetic Ingredients. Es ist ein standardisiertes System, mit dem Inhaltsstoffe weltweit einheitlich auf Produktverpackungen angegeben werden.

Die Liste soll für Transparenz sorgen, und bis zu einem gewissen Grad tut sie das auch. Aber um sie richtig zu deuten, musst du wissen, wie sie funktioniert.

2. Wie funktioniert die Reihenfolge auf der INCI-Liste?

Die Grundregeln im Überblick:

  • Inhaltsstoffe über 1% müssen in absteigender Reihenfolge ihrer Konzentration angegeben werden.
  • Inhaltsstoffe unter 1% dürfen in beliebiger Reihenfolge genannt werden (außer es handelt sich um Farbstoffe).
  • Bei Leave-on-Produkten muss jeder Inhaltsstoff schon ab 0,001% angegeben werden.
  • Bei Rinse-off-Produkten gilt eine Schwelle ab 0,01%.

Die Reihenfolge wirkt also transparent, lässt aber Raum für Interpretation, und für Marketing. Inhaltsstoffe unter 1% dürfen nämlich beliebig platziert werden. Das bedeutet, dass ein Inhaltsstoff, der nur in einer verschwindend geringen Menge enthalten ist, ohne Weiteres in der dritten Zeile der INCI-Liste stehen kann.

Wasser, das aus einem Bambusrohr fließt

Verpackung von Abloom Slow Skincare mit aufgedruckter INCI-Liste

Nahaufnahme der grünen Blätter einer Aloe-Pflanze

3. Warum 0,001% schon für eine große Geschichte reicht

Und hier wird es spannend. Eine Marke kann einen sogenannten Hero Ingredient (zum Beispiel ein exotisches Kraut oder einen beliebten Wirkstoff) auf der INCI-Liste angeben, selbst wenn nur 0,001% davon enthalten sind.

Solange die Kennzeichnungspflicht für Leave-on-Produkte erfüllt ist, darf der Stoff aufgeführt werden. Und das reicht für eine ganze Kampagne: „Mit [x]-Extrakt“, „angereichert mit [y]“, ohne dass klar ist, wie viel davon enthalten ist oder was es wirklich zur Hautgesundheit beiträgt.

Die Folge: eine starke Geschichte auf Basis eines winzigen Anteils. Und genau da liegt das Spannungsfeld zwischen Marketing und Transparenz.

4. Inhaltsstoffe, denen du oft begegnest (und was du darüber wissen solltest)

Es lohnt sich also, über die Verpackung hinauszuschauen. Hier sind einige häufige Inhaltsstoffe, die du auf einer INCI-Liste findest, und was du darüber wirklich wissen solltest:

  1. Aqua: oft der erste Inhaltsstoff. Tut nichts für die Haut, sondern dient vor allem als Füllstoff.
  2. Paraffinum Liquidum: auch bekannt als Mineralöl, Vaseline oder flüssiges Paraffin. Verschließt die Haut, stört das Mikrobiom und behindert die Aufnahme von Wirkstoffen.
  3. Alcohol Denat: ein vergällter Alkohol, der oft synthetisch ist. Kann austrocknend und reizend wirken.
  4. PEGs: synthetische Emulgatoren oder Lösungsmittel. Manchmal problematisch für die Hautbarriere.
  5. Parfum: ein weiter Begriff. Das kann sowohl eine synthetische Duftkomposition sein als auch eine sorgfältig zusammengestellte Mischung ätherischer Öle.

Abloom Skincare verwendet statt Aqua (Wasser) biologische Aloe vera, und statt Mineralöl (Paraffinum Liquidum) setzen wir biologische kaltgepresste Öle ein.

5. Parfum auf der INCI-Liste: ein Grund zur Sorge?

Der Begriff „Parfum“ weckt oft Misstrauen. Verständlich, denn es ist ein Sammelbegriff ohne genaue Angabe. Was genau dahintersteckt, ist von Marke zu Marke unterschiedlich.

Parfum ist also nicht per se ‚schlecht‘. Alles hängt von Herkunft, Zusammensetzung und Dosierung ab. Synthetische Duftstoffe können tatsächlich reizen. Aber eine gut zusammengestellte Mischung ätherischer Öle wird ebenfalls als Parfum angegeben und kann die Haut sogar unterstützen. Denk an Lavendel (beruhigend), Myrrhe (regenerierend) oder Weihrauch (zellerneuernd).

Frag im Zweifel immer nach. Seriöse Marken können erklären, was ihr Parfum enthält, und warum sie es verwenden.

6. Alkohol in der Hautpflege: Feind oder Helfer?

Alkohol hat einen schlechten Ruf, und das teilweise zu Recht. Alcohol Denat oder Isopropyl Alcohol können die Hautbarriere stören und die Haut austrocknen.

Aber: Alkohol ist nicht gleich Alkohol. Es gibt auch biologische Alkohole aus Fermentation, zum Beispiel aus Zuckerrohr oder Getreide, die in niedriger Dosierung eine unterstützende Rolle spielen.

Eine gute Formulierung kann Alkohol einsetzen als:

  • Extraktionsmittel für Pflanzen und Harze (manche bioaktiven Stoffe lassen sich nur mit Alkohol extrahieren, wie bei Harzen)
  • Natürliche Konservierung
  • Verstärkung der Aufnahme von Wirkstoffen

Ob Alkohol ‚gut‘ oder ‚schlecht‘ ist, hängt also ganz von Kontext, Konzentration und Herkunft ab.

7. Clean Beauty ≠ Bio

Der Begriff „Clean Beauty“ klingt sicher, rein und verantwortungsvoll. Aber es gibt ein Problem: Er ist nicht geschützt. Jede Marke darf ihn verwenden, auch wenn das Produkt synthetische Duftstoffe, Silikone oder Mikroplastik enthält.

Clean bedeutet also längst nicht immer natürlich oder biologisch.

Eine ehrliche Marke sagt dir nicht nur, was drin ist, sondern auch warum. Transparenz über Herkunft, Verarbeitung und Dosierung ist dabei entscheidend.

Mehr über die echte Pflanzenkraft von Abloom

8. INCI-Liste von KI analysieren lassen? Denk zweimal nach

Es gibt einen wachsenden Trend, bei dem Influencer und Verbraucher ein Produkt (oder eine einzelne INCI-Liste) in KI-Tools oder Apps wie ChatGPT eingeben, mit der Frage: „Ist das gut für meine Haut?“

Achtung: Eine KI weiß zwar, was drin ist, aber nicht:

  • In welcher Dosierung
  • Wie es verarbeitet wurde
  • Wie die Stoffe miteinander wirken
  • Welche Wirkung es auf deinen ganz eigenen Hauttyp hat

Ein natürlicher Extrakt kann auf dem Papier großartig aussehen, aber in verschwindend geringer Konzentration nichts bewirken. Umgekehrt können Säuren oder Alkohole durchaus funktional und sicher sein, vorausgesetzt, sie sind gut formuliert.

Ohne Kontext bleibt es ein theoretisches Urteil.

9. Inhaltsstoffe selbst prüfen? Diese Tools helfen

Willst du selbst recherchieren? Dann gibt es einige zuverlässige Plattformen, zum Beispiel:

  • INCI Beauty (praktische App)
  • CodeCheck
  • CosDNA (www.cosdna.com)

Diese Tools zeigen, was ein Inhaltsstoff ist, was er bewirkt und wie er bewertet wird. Du kannst Produkte scannen oder Inhaltsstoffe aus einer veröffentlichten INCI-Liste nachschlagen.

Bedenke aber: Sie analysieren einzelne Inhaltsstoffe, losgelöst von der gesamten Formulierung. Sieh sie als praktisches Hilfsmittel, nicht als endgültiges Urteil.

10. Top 5 der hormonell wirksamen Stoffe

Die 5 häufigsten hormonell wirksamen Stoffe (auch „endokrine Disruptoren“ genannt), denen du oft in Shampoo, Zahnpasta und Cremes begegnest:

1. Parabene (zum Beispiel Methylparaben, Propylparaben)

  • Wo du sie findest: häufig in Shampoos, Cremes, Lotionen und Deodorants.
  • Warum schädlich: Parabene ahmen Östrogen nach, was das natürliche Hormongleichgewicht stören kann. Es gibt Bedenken wegen möglicher Zusammenhänge mit Brustkrebs und Fruchtbarkeitsproblemen.
  • So vermeidest du sie: Achte auf Hinweise wie „paraben-free“ oder prüfe die INCI-Liste auf Namen, die auf „-paraben“ enden.

2. Triclosan

  • Wo du es findest: Zahnpasta, antibakterielle Seifen, manche Deodorants.
  • Warum schädlich: Triclosan beeinflusst die Schilddrüsenhormone und kann zu Antibiotikaresistenzen beitragen.
  • Status: in der EU weitgehend verboten, aber noch in importierten Produkten oder älteren Beständen zu finden.

3. Synthetische Duftstoffe (Fragrance / Parfum)

  • Wo du sie findest: überall, in Shampoo, Cremes, Zahnpasta und Parfum.
  • Warum schädlich: „Parfum“ ist oft ein Sammelbegriff für Dutzende Chemikalien, darunter Phthalate, die Hormone beeinflussen können.
  • Achtung: Wähle Produkte mit dem Hinweis „duftstofffrei“ oder solche, die mit natürlichen ätherischen Ölen beduftet sind.

4. Phthalate (zum Beispiel DEP, DBP, DEHP)

  • Wo du sie findest: als Fixiermittel in Duftstoffen und in Plastikverpackungen, aus denen sie ins Produkt übergehen können.
  • Warum schädlich: Sie beeinflussen die Testosteronproduktion und werden mit verminderter Fruchtbarkeit in Verbindung gebracht, vor allem bei Männern.
  • Tipp: Meide Produkte mit „fragrance/parfum“ ohne genaue Angaben zu den Inhaltsstoffen.

5. Sodium Lauryl Sulfate (SLS) / Sodium Laureth Sulfate (SLES)

  • Wo du es findest: Shampoos, Zahnpasta, Reinigungsmittel.
  • Warum schädlich: Es reizt vor allem Haut und Schleimhäute, aber es gibt auch Bedenken wegen Verunreinigungen aus dem Herstellungsprozess (zum Beispiel 1,4-Dioxan), die hormonelle Wirkungen haben können.
  • Achtung: Wähle Produkte mit dem Hinweis „SLS-free“ oder „mild cleansing base“.

Wie erkennst du hormonell wirksame Stoffe?

Schau auf die Inhaltsstofflisten (INCI-Liste) und meide Produkte mit:

  • Langen, schwer aussprechbaren Namen.
  • Angaben zu synthetischen Duftstoffen ohne Details.
  • Inhaltsstoffen mit „paraben“, „eth“, „PEG“ oder „benzophenone“.

11. Fazit: Die INCI-Liste ist der Anfang, nicht das Ende

Die INCI-Liste ist ein wertvolles Werkzeug, um mehr über Hautpflege zu erfahren. Aber sie sagt nicht alles.

Als Verbraucherin oder Verbraucher wirst du mit Fachbegriffen, Prozentangaben und unklaren Bezeichnungen konfrontiert. Deshalb ist es wichtig, dir selbst Fragen zu stellen wie:

  • Wie viel von diesem Inhaltsstoff ist enthalten?
  • Warum wurde er hinzugefügt?
  • Woher kommt er?
  • Welche Wirkung hat er innerhalb der gesamten Formel?

Eine wirklich bewusste Hautpflegeroutine beginnt mit Neugier, nicht mit Slogans.

Also ja: Lies die INCI-Liste. Aber wisse auch, was du liest.

Und vor allem: Das ist erst der Anfang.

Zusammenfassung

Die INCI-Liste zeigt, was in deiner Hautpflege steckt, sagt aber wenig darüber, wie viel, warum oder wie etwas wirkt.

Viele Marken nutzen minimale Mengen an Wirkstoffen für maximales Marketing.

Begriffe wie ‚Parfum‘ oder ‚Alkohol‘ sind nicht schwarz-weiß: Kontext und Formulierung machen den Unterschied.

Wirklich bewusste Hautpflege beginnt mit Neugier und Transparenz, nicht mit Slogans oder Trendbegriffen.

Häufig gestellte Fragen

Was genau ist eine INCI-Liste und warum ist sie wichtig?

Die INCI-Liste (International Nomenclature of Cosmetic Ingredients) ist die offizielle Inhaltsstoffliste auf jedem Kosmetikprodukt. Sie zeigt, was tatsächlich in einer Formel steckt. Weil Werbeslogans oft irreführend sein können, hilft dir die INCI-Liste, bewusster zu wählen, was du auf deine Haut aufträgst.

Woran erkenne ich, ob ein Inhaltsstoff wirklich etwas für meine Haut tut?

Achte auf die Position des Inhaltsstoffs auf der INCI-Liste: Nur Inhaltsstoffe, die weit oben stehen (meist unter den ersten 3 bis 5), sind in einer wirksamen Menge enthalten. Achte auch auf Kontext, Herkunft und Verarbeitung. Ein Hero-Inhaltsstoff mit 0,001% bewirkt meist wenig für deine Haut.

Ist Clean Beauty immer natürlich oder biologisch?

Nein. „Clean Beauty“ ist kein geschützter Begriff, also darf jede Marke ihn verwenden, selbst wenn das Produkt synthetische Duftstoffe oder Mikroplastik enthält. Zertifizierte Bio-Hautpflege, wie die von Abloom, geht in Sachen Transparenz und Reinheit viel weiter.

Barbara Baars

Über die Autorin

Barbara Baars

Hautcoach & Inhaltsstoff-Expertin bei Abloom · 30+ Jahre Erfahrung

Barbara ist ausgebildete Hautspezialistin und auf Hautprobleme wie Rosazea, Akne und Ekzeme spezialisiert. Sie glaubt an die heilende Kraft der Natur und berät täglich zu Haut, Inhaltsstoffen und dazu, wie die Haut gesund und strahlend bleibt.

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